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0. Vorbemerkung

Vermutlich ist Rizinusöl eines der am meisten verkannten und geschmähten Medikamente. Über kein sonstiges Medikament ist in der aktuellen pharmakologischen Literatur der Wirkungsmechanismus in einem derartigen Ausmaß falsch erklärt und dargestellt worden. Hierzu seien zwei Beispiele notiert.

"Das Triglycerid ist unwirksam; erst nach Hydrolyse durch die Lipasen der Verdauungssäfte wird die wirksame Ricinolsäure frei. Der laxative Effekt der Ricinolsäure wird durch eine Reizung der Dünndarmschleimhaut ausgelöst, reflektorisch treten Kontraktionen auch der Gallenwege auf."
 Quelle:
 - Heinz Lüllmann, Klaus Mohr: Pharmakologie und Toxikologie: Arzneimittelwirkungen verstehen - Medikamente gezielt einsetzen - 14. Aufl. / Stuttgart; New York: Thieme, 1999, S. 233.

"Im Dünndarm wird durch Einwirkung von Lipasen der Träger der abführenden Wirkung, die Rizinolsäure, freigesetzt. Sie stimuliert die Sekretion von Flüssigkeit und Elektrolyten und regt die Peristaltik an. Ricinusöl gilt heute wegen seiner heftigen Wirkung (Bauchkrämpfe) und seines unangenehmen Geschmackes wegen als obsolet." Quelle:
 - Klaus Aktories, Ulrich Förstermann, Franz Hofmann, Wolfgang Forth: Lehrbuch Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie - 9. Aufl. / München: Urban & Fischer Bei Elsevier, 2005, S. 575.

 Nachdem der Schreiber dieser Zeilen den Lektoraten der genannten Fachbücher jeweils brieflich dargelegt hatte, daß die oben notierten Aussagen unhaltbar sind, hat ihm als einziger Prof. Dr. Lüllmann in einem sehr freundlichen Schreiben versichert, daß er bislang um die sehr komplexen Zusammenhänge nicht gewußt hat und bei der nächsten Auflage die betreffende Passage neu formulieren wird.

 1. Herkunft
 Rizinus, Wunderbaum (Ricinus communis) ist ein Wolfsmilchgewächs. Rizinus ist eine uralte Ölpflanze der Ägypter und wurde bereits in Altägypten kultiviert. Die Samen sind in ägyptischen Gräbern aus der Zeit um 4000 v. Chr. gefunden worden. Die abführende Wirkung wird 1582 von LONICERUS in seinem Kräuterbuch erwähnt.
Quelle:
- Harry Diener: Arzneipflanzen und Drogen - 2. Aufl. / Thun; Frankfurt (Main): Harri Deutsch, 1989, unter "Oleum Ricini".
 2. Gewinnung
Das Öl wird aus dem Samen durch Pressen ohne Wärmezufuhr erhalten. Auf diese Weise sollen die toxischen Lectine (Ricin) im Preßkuchen zurückbleiben. Die letzten Ricin-Spuren werden durch Behandlung des Öles mit Wasserdampf entfernt (Denaturierung von Eiweiß in der Hitze).
 Quelle:
 - Bernhard Zepernick, Liselotte Langhammer, Jörg B. P. Lüdcke: Lexikon der offizinellen Arzneipflanzen / Berlin; New York: Walter de Gruyter, 1984 unter "Ricinus L. - Wunderbaum".

 3. Beschreibung
Klare farblose bis blaßgelbe Flüssigkeit, die ziemlich zäh und dickflüssig ist, besonders beim Abkühlen. Deshalb empfiehlt es sich, Rizinusöl bei Zimmertemperatur in einer braunen Medizinalflasche unter Lichtabschluß aufzubewahren. Geruch und Geschmack von frisch gepreßtem Rizinusöl schwach wahrnehmbar. Dichte 0,946...0,966 g/ml, damit etwa 1 g/ml, womit sich die gewünschte Dosis über eine Digitalwaage leicht abmessen läßt.

 4. Abführende Wirkung, Wirkungsmechanismus

Voraus sei festgestellt, daß Rizinusöl im Gegensatz zu sämtlichen anderen Laxantien nicht direkt, sondern indirekt durch die Aktivierung bzw. Synthetisierung körpereigener Stoffe wirkt. Damit dies geschehen kann, müssen bestimmte in (5.) notierte Voraussetzungen erfüllt sein. Aus dem indirekten Wirkungsmechanismus von Rizinusöl im menschlichen Körper ergibt sich weiter, daß es bei wiederholten Anwendungen keine Abschwächung der Wirkung oder gar eine Gewöhnung des Körpers geben kann.
 Da Fette und fette Öle nicht wasserlöslich sind, und damit vom Körper nicht aufgenommen werden können, sind diese in geeigneter Weise aufzubereiten. Sobald ein Fett oder ein fettes Öl nach der Magenpassage in den Zwölffingerdarm eintritt, wird in der Darmwand ein Hormon gebildet, das durch den Blutkreislauf gleichzeitig bei der Bauchspeicheldrüse und der Gallenblase eintrifft und dort die Sekretion auslöst. Dadurch wird im Zwölffingerdarm ein jedes Fett bzw. fette Öl in eine wasserlösliche Fett- oder Ölsäure und Glycerin gespalten.
Rizinusöl wird grundsätzlich wie alle anderen fetten Öle durch die Galle und das Pankreassekret in eine Fettsäure, hier die Ricinolsäure, und Glycerin gespalten, jedoch aktiviert die Ricinolsäure im Gegensatz zu allen anderen Fettsäuren die im Dünndarm passiv vorhandenen Histamine, wodurch die Darmperistaltik einsetzt und der gesamte Darminhalt hinausbefördert wird. Darüber hinaus geschieht es in etwa 60 Prozent aller Anwendungsfälle, daß die aktivierten Histamine die Prostaglandinsynthese E2 (PGE2) herbeiführen, was beim "Wehencocktail" ausgenutzt wird, da hierdurch Darm- und Uteruskontraktionen ausgelöst werden.

5. Ausschluß bzw. Einschränkungen in der Anwendung von Rizinusöl.
Aus dem beschriebenen Wirkungsmechanismus ergibt sich:
 - Das Abführen mit Rizinusöl setzt voraus, daß die Lebergänge frei sind; u. U. ist vorher die Leber nach Clark zu reinigen.
 - Die Fettverdauung muß in Ordnung sein, damit haben Bauchspeicheldrüse und Gallenblase funktionstüchtig zu sein.
 - Die Gallenblase darf keine Steine enthalten, da sonst Koliken nicht auszuschließen sind.
 - Soll durch die Einnahme von Rizinusöl eine abführende Wirkung erzielt werden, dürfen keine Antihistaminika eingenommen werden.
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